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WOHLFÜHLOASEN DER ENTSPANNUNG

Die Interieurs des Designers Torsten Müller sprechen alle Sinne an. Wir sprachen mit ihm über seine Inspirationen und Konzepte.

Herr Müller, das Badezimmer hat sich vom funktionalen Ort zum Raum mit Wohlfühl- und Erlebnischarakter entwickelt. Warum nimmt das Badezimmer für uns einen so hohen Stellenwert ein?
Torsten Müller:
Das ist wohl vielem geschuldet, zum Beispiel dem wachsenden Wohlstand, der nach Neuem sucht. Für mich aber ist der wichtigste Grund das Bedürfnis, einen Ort zu haben, in dem wir alle den Stress des Alltags abstreifen können. Wir sind im digitalen Zeitalter angelangt. Es geht um ständige Erreichbarkeit und darum, immer schneller, immer mehr und jederzeit sofort per iPhone oder iPad alles bedienen zu können. Das spiegelt sich auch im professionellen Lichtdesign, wie zum Beispiel KNX oder LED-RGB, wider.


Lichtdesigner Torsten Müller.

Was gibt es Neues im Spa-Design?
Torsten Müller:
Ich habe da bestimmte Bilder vor Augen: Der Nutzer befindet sich in der Oper und möchte den Abend mit seiner Begleitung mit einem romantischen Verwöhnprogramm ausklingen lassen. Er gibt per Tastendruck auf seinem iPhone die Wohlfühlparameter an die ferngesteuerte Wanne zuhause und programmiert das Raumthermostat so, dass ihn seine Wunschtemperatur von 24° Grad erwartet. Beim Eintreten wird das Fensterglas undurchsichtig, die Leinwand fährt herab. Nachdem man in der temperierten freistehenden Badewanne Platz genommen hat, verdunkelt sich der Raum, und ein saphirblau illuminierter Vorhang umschließt die Wanne an der Rückseite. Der umgebende duftende Marmorino-Wandbelag wird unterbewusst wahrgenommen, die Aromen des Orients strömen leise zu den entspannenden Klängen ein. Das Lichtdesign erzeugt durch die Farbe Tiefmagenta in der Lichtvoute an der Decke, rund um die Wanne und in den Nischen eine tiefe Erdigkeit; das Farbenspiel wechselt langsam ins Korall bis hin zum zarten Rosenpink, der Farbe der Liebe. Dazu ein prickelndes Getränk auf den Lippen. Das Weitere überlasse ich nun dem Leser...

Im Badezimmer muss das Licht vielen Anforderungen gerecht werden. Welches Licht empfehlen Sie in diesen Räumlichkeiten?
Torsten Müller:
Zuerst sei dazu gesagt: Das alles ist dem technologischen Fortschritt unterworfen. Moderne LED-Technik lässt einiges zu, was früher noch nicht machbar war, jetzt aber möglich geworden ist. Allerdings ist es noch ein wenig hinderlich, dass die Farbwiedergabe noch nicht perfekt ist. Um ein emotionales professionelles Lichtdesign für den „Raum für die Sinne“ zu konzipieren, ist es in erster Linie wichtig, dass wir verschiedene Stimmungen haben. Oder finden Sie es spektakulär, wenn Sie in die Oper oder ins Theater gehen, und es gibt nur eine Grundbeleuchtung, wie es leider immer noch sehr oft zu sehen ist, auch in Ausstellungen oder bei den Arbeiten der meisten Kollegen? Das ist allerdings auch bis zu einem gewissen Grad verständlich. Den Beruf „Lichtdesigner“ gibt es als Ausbildungsform in diesem Sinn noch gar nicht. Genauso verhält es sich mit dem Badarchitekten. Der frühere Installateur wurde gar nicht für die Anforderungen, die der Kunde heute stellt, ausgebildet, und das hat sich bis heute kaum verändert.



Mit welchen „Tricks“ lässt sich ein kleines Badezimmer mit Licht, Farbe und Gestaltung in eine Wohlfühloase verwandeln?
Torsten Müller:
Man kann nicht sagen: „Mach das Lichtdesign so und so, und es wird zauberhaft!“ Es hat in erster Linie mit den Menschen zu tun, die sich in diesem Wohlfühlraum aufhalten, und dann erst mit dem, was machbar ist. In erster Linie gilt es, den Raum optisch zu strecken – zum Beispiel mit Nischen, die beleuchtet sein müssen. Dadurch entsteht eine gewisse Tiefe. Für mich bedeutet Licht-Design, dass wir die unzähligen Möglichkeiten nutzen, mit Licht besondere Stimmungen zu schaffen oder aber zu verstärken. Zudem sollten alle drei Beleuchtungsvarianten das Konzept unterstützen. Damit meine ich das Stimmungslicht (play of brilliance), das Grundlicht (ambient light) und die Zonenbeleuchtung (focal glow).

Ihr Farbkonzept basiert auf den Erkenntnissen des Farb-Lichtsystems „Aura Soma“ – was verbirgt sich hinter diesem geheimnisvollen Namen?
Aura-Soma bedeutet Licht-Körper und ist eine Möglichkeit, den Menschen in seiner Gesamtheit von Körper, Seele und Geist zu unterstützen. Die innere Befindlichkeit und ein zeitgemäßes Körper-Bewusstsein werden durch die Wirkung von Farbe und Duft in Balance gebracht. In erster Linie geht es darum, inspirierende Lichtspiele in der richtigen Farbe abgestimmt auf den Kunden zu verwenden, um ihn zu einer positiven Entspannung oder auch Vitalisierung zu führen. Des Weitern glaube ich, dass der Raum, in dem wir uns aufhalten, das Spiegelbild der Seele ist. Sollten wir diesen Raum dann nicht auf uns abstimmen, so dass er uns mit allen Möglichkeiten unterstützt? Farbe wirkt, Farbe heilt, Farbe zieht an. Farbe ist Magie und Farbe ist Wissen.



Woher holen Sie Ihre Ideen und Inspirationen?
Torsten Müller:
Es beginnt mit dem Wichtigsten: dem Input, der durch die Bedarfsanalyse mit dem Kunden entsteht – und natürlich dem Raum, in dem realisiert wird. Weiter geht es mit Erlebnissen aus der Natur, Messebesuchen, die mich verzauberten, und den vielen Reisen auf dieser wunderschönen Welt mit ihren unterschiedlichen Kulturen, die immer wieder Anregungen bieten. Das Entscheidende ist für mich, dass der Raum alle fünf Sinne anspricht. All dies läuft allerdings wie ein „Virenscanner“ im Hintergrund ab, und manchmal habe ich das Gefühl, als ob ein anderer diese kreativen Puzzleteile zusammenfügt – wenn ich nur lausche…

Sie planen die Gründung einer Akademie für „Emotionales Raumdesign“. Was erwartet den Besucher dort?
Die früher gar als „ungewöhnlich“ geltenden Lichtdesigner sind nun gefragt. Als Beispiel dafür sei Bernd Beisse genannt. Er wurde lange Zeit nicht richtig verstanden, aber auch meine Person durfte lange Zeit mit einer Gewissen Art der Befremdung leben. Im Lichtdesign ist Prof. Dr. Roland Greule bisher einer der wenigen Trainer, der für ein professionelles emotionales Lichtdesign steht. Es gibt auch andere, diese vermitteln aber nur Input der technischen Komponente, somit hat es fast gar nichts mit Emotionen zu tun. Es gilt für mich nun, die richtigen design- & menschenorientierten Ideengeber zusammen zu bringen, damit die Zukunft, das Wissen sowie die technologischen Möglichkeiten für alle einen Mehrwert bringen. Angesprochen sind hierbei die Interior-Designer, Architekten sowie Möbelhäuser als auch die Industrie, die „mit allen Sinnen“ Räume gestalten wollen. Denn nur mit innovativem Background gehören die Besten auch in Zukunft zu den Gewinnern am boomenden Markt.  Mein Wunsch ist es, durch diese „Symposien der Sinne“ Chancen, umwälzende Impulse, Trends sowie News für erfolgreiche Abschlüsse entstehen zu lassen. Heutzutage wo ich Aura Soma nicht mehr in den Vordergrund stelle ist die Nachfrage danach so groß wie nie zuvor, alles braucht halt seine Zeit und diese ist nun gekommen. 



Wie kamen Sie zum Design?

Bereits im Kindergarten war ich dafür bekannt, die Welt schöner machen zu wollen. Als ich mit zwölf Jahren nach mehr Taschengeld fragte, bekam ich die Antwort: „gehe auf den Flohmarkt und verkauf etwas, dann hast du Geld“. Bereits dort zeigte sich, dass ich eine besondere Begabung hatte, die Dinge so zu präsentieren, dass Sie ins rechte Licht gerückt werden um Sie somit erfolgreich zu verkaufen. Mein weiterer beruflicher Weg führte über die Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur zu dem sich daran anschließendem Besuch der Meisterschule in Köln. Mit einer vierzehn Mann starken Truppe lag mein Berufsfeld danach im Bauträgergeschäft. Dann kam der „große Fall “aus luftiger Höhe, weg vom Porsche, Luxus Penthouse und der Rolex am Handgelenk in die private Insolvenz. Was damals aussah, als wenn es nie mehr Berg auf gehen würde, war mein großes Glück. Ich hatte nun die Zeit, zu schauen, was ich wirklich will. Was ist wirklich mein Talent, wo liegt meine Begabung – und da war Sie wieder, die Kindheit mit dem Wunsch, diese Welt schöner zu hinterlassen als ich Sie vorgefunden habe. Alles Weitere erzähle ich jedem gerne bei meinen Vorträgen oder auf den „Symposium für die Sinne“. 

Was fasziniert Sie am Licht
?
Die Sonne ist es, die Neues entstehen lässt, der Winter gibt uns die Möglichkeit, zu schauen, ob wir es auch weiterhin brauchen. Genauso verhält es sich mit dem Licht und der Farbe. Was wäre das Leben ohne das tief duftende Violett des Lavendels oder des süß-erfrischenden und belebenden Dufts der Orange. Farben sind Lockmittel für das Auge, Vitamine für die Seele, gleichzeitig Informationen für das Gehirn. Bevor wir richtig zu denken beginnen, haben Farben schon gesprochen.



Welches Projekt stellte für Sie die größte Herausforderung dar?

Das Projekt, das ich zur Zeit fertigstelle. In diesem Projekt werden alle Varianten des exklusivsten Spa und des Interior-Designs vereint. Gemeinsam mit den besten Spezialisten aus ganz Europa, die es auf diesem Gebiet gibt, fordert dieses Projekt meine ganze Aufmerksamkeit. Denn was wirklich zählt, ist zuerst der Weg und danach aber das Ergebnis für die Sinne“.

Wie würden Sie Ihr eigenes Spa kreieren?
Torsten Müller:
Da stellt sich zuerst die Frage: Wo? Hier in Deutschland oder im heißem Süden am Meer? Der Bungalow mit dem Pool, der am Rand der Klippe mit dem türkisfarbenen Meer in eine horizontale Linie übergeht, oder aber das Loft am Berg mit Blick auf einen schneebedeckten Gipfel? Extreme Unterschiede, oder? Ich mag es sehr, wenn alles extrem puristisch ist. Wenn es allerdings zudem noch in Weiß gehalten ist, wirkt es oft sehr kühl; ohne das Sonnenlicht ist es nicht ganz so aufregend.

Vielen Dank für das Gespräch!

www.design-bad.com
www.muellerinterior.de

 
 
 
 
     
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